
Allwetterreifen: Wissenswertes und Kaufratgeber
Die wichtigsten Fakten auf einen Blick
Der Gedanke ist verlockend: Ein Reifensatz für das ganze Jahr, kein lästiger Wechsel im Frühjahr und Herbst, keine Kosten für die Einlagerung. Allwetterreifen, auch Ganzjahresreifen genannt, versprechen genau das. Doch der Markt ist unübersichtlich und die Entscheidung zwischen Komfort und spezialisierter Sicherheit fundamental. Bevor wir tief in die Details eintauchen, hier die fünf wichtigsten Erkenntnisse, die Du aus diesem Ratgeber mitnehmen wirst:
- Premium-Ganzjahresreifen sind heute eine ernstzunehmende Alternative, aber sie eignen sich nur für ein klar definiertes Fahrerprofil. Die Zeiten, in denen jeder Allwetterreifen ein schlechter Kompromiss war, sind vorbei, doch die Wahl muss bewusster getroffen werden als je zuvor.
- Seit Oktober 2024 ist das Alpine-Symbol (Schneeflocke im Berg) gesetzliche Pflicht für den Betrieb bei winterlichen Straßenverhältnissen. Reifen, die nur die alte „M+S“-Kennzeichnung tragen, sind nicht mehr ausreichend und stellen ein rechtliches sowie versicherungstechnisches Risiko dar.
- Der größte Vorteil ist der enorme Komfortgewinn. Die größten Nachteile sind Sicherheitskompromisse bei extremen Wetterlagen (starke Hitze, viel Schnee) und ein tendenziell höherer Verschleiß im Vergleich zu saisonalen Spezialisten.
- Aktuelle Tests von ADAC und AutoBild zeigen: Die Spreu trennt sich deutlich vom Weizen. Nur wenige Top-Modelle überzeugen wirklich auf ganzer Linie. Zu den Testsiegern gehören regelmäßig Reifen wie der Continental AllSeasonContact 2 oder der Goodyear Vector 4Seasons Gen-3.
- Die Kostenersparnis ist oft nicht so hoch wie angenommen. Der potenziell schnellere Abrieb und ein leicht erhöhter Kraftstoffverbrauch können die Einsparungen beim halbjährlichen Wechsel und der Lagerung teilweise wieder aufzehren.
Dieser umfassende Ratgeber führt Dich durch alle Aspekte, von der Technik über die aktuellen Testergebnisse bis hin zur Gesetzeslage, damit Du eine fundierte und für Dich passende Entscheidung treffen kannst.
Was sind Allwetterreifen wirklich? Der Kompromiss auf dem Prüfstand
Um zu verstehen, warum Ganzjahresreifen (auch All Season Reifen oder Alljahresreifen genannt) ein Kompromiss sind, muss man ihre Konstruktion betrachten. Sie sind technologisch ein Hybrid, der versucht, die gegensätzlichen Anforderungen von Sommer und Winter in einem Produkt zu vereinen.
Die Gummimischung: Ein Spagat zwischen Hitze und Kälte
Das Herzstück eines jeden Reifens ist seine Gummimischung. Hier liegt die größte Herausforderung für einen Ganzjahresreifen:
- Sommerreifen besitzen eine harte Gummimischung, die auch bei hohen Asphalttemperaturen über 40 °C formstabil bleibt. Das sorgt für kurze Bremswege, präzises Lenkverhalten und geringen Verschleiß im Sommer. Bei Kälte verhärtet diese Mischung jedoch und verliert an Haftung.
- Winterreifen verwenden eine weiche Gummimischung mit einem hohen Anteil an Silica oder Naturkautschuk. Sie bleibt auch bei Minusgraden flexibel und kann sich so mit Schnee und Eis „verzahnen“. Bei Sommerhitze würde diese Mischung jedoch zu weich werden, was zu einem schwammigen Fahrgefühl, extrem langen Bremswegen und einem rasanten Verschleiß führt.
Der Allwetterreifen muss einen Mittelweg finden. Seine Mischung ist so konzipiert, dass sie in einem breiten Temperaturbereich von etwa -10 °C bis +30 °C funktioniert. Sie ist weicher als die eines Sommerreifens, aber härter als die eines Winterreifens. Dieser Kompromiss bedingt, dass er bei extremer Hitze nicht die Stabilität eines Sommerreifens und bei starkem Frost nicht den Grip eines echten Winterreifens erreichen kann.
Das Profildesign: Zwei Welten in einem Muster
Auch das Profil eines Ganzjahresreifens ist eine sichtbare Verschmelzung zweier Konzepte:
- Typisch für Sommerreifen sind massive Profilblöcke und breite Längsrillen. Die Blöcke maximieren die Kontaktfläche für besten Grip auf trockener Straße, während die Rillen große Mengen Wasser aufnehmen und ableiten, um Aquaplaning zu verhindern.
- Winterreifen erkennt man an Tausenden feiner Einschnitte, den sogenannten Lamellen. Diese kleinen „Greifkanten“ öffnen sich beim Abrollen und sammeln Schnee, was die Haftung verbessert (Schnee-auf-Schnee-Reibung ist höher als Gummi-auf-Schnee).
Ein Ganzjahresreifen kombiniert beides: Er besitzt sowohl Längsrillen zur Wasserverdrängung als auch Lamellen für den Wintergrip. Doch auch hier ist der Kompromiss unübersehbar: Er hat weniger Lamellen als ein reiner Winterreifen und seine Profilblöcke sind durch die Lamellen stärker zerklüftet als bei einem Sommerreifen. Diese Konstruktion ist der Grund für seine Allround-Fähigkeiten, aber auch für seine physikalischen Grenzen unter extremen Bedingungen.
Die entscheidende Frage: Für wen lohnen sich Ganzjahresreifen, und für wen nicht?
Die Entscheidung für oder gegen Allwetterreifen ist weniger eine Frage der Reifenqualität an sich, sondern vielmehr das Ergebnis einer ehrlichen Selbsteinschätzung Deines Fahrprofils und Deiner Umgebung.
Ganzjahresreifen sind eine ausgezeichnete Wahl, wenn Du Dich in diesem Profil wiederfindest:
- Wenigfahrer: Du fährst weniger als 10.000 Kilometer pro Jahr. Bei dieser geringen Laufleistung würden zwei Sätze Saisonreifen altern, bevor sie abgefahren sind. Hier spielen Allwetterreifen ihre Stärke aus.
- Stadtfahrer: Dein Auto bewegt sich hauptsächlich im urbanen Raum oder in Ballungsgebieten. Hier werden die Straßen im Winter in der Regel schnell geräumt, und extreme Fahrmanöver bei hohen Geschwindigkeiten sind selten.
- Fahrer in gemäßigten Klimazonen: Du lebst im Flachland oder in einer Region mit milden Wintern, in der starker Schneefall und tagelanger Frost die Ausnahme sind.
- Besitzer eines Zweitwagens: Das Fahrzeug wird nur gelegentlich für kurze Strecken genutzt, sodass der Aufwand eines doppelten Reifensatzes unverhältnismäßig wäre.
Du solltest unbedingt bei Sommer- und Winterreifen bleiben, wenn einer dieser Punkte auf Dich zutrifft:
- Vielfahrer: Mit einer Jahresfahrleistung von über 15.000 Kilometern würde der erhöhte Verschleiß der Ganzjahresreifen, insbesondere im Sommer, die Kostenvorteile schnell zunichtemachen.
- Sportlicher Fahrer: Du fährst ein leistungsstarkes Fahrzeug und schätzt präzises Handling und maximale Stabilität in Kurven. Allwetterreifen können sich bei sportlicher Fahrweise im Sommer „schwammig“ anfühlen und bieten nicht die gleichen Reserven.
- Bewohner in schneereichen Regionen: Wenn Du in den Alpen, im Mittelgebirge oder einer anderen schneesicheren Gegend lebst, ist maximaler Grip auf Schnee und Eis eine nicht verhandelbare Sicherheitsanforderung. Hier ist ein spezialisierter Winterreifen alternativlos.
- Pendler und Außendienstler: Du bist beruflich auf Dein Auto angewiesen und musst bei jedem Wetter mobil und sicher sein. Hier solltest Du keine Kompromisse eingehen.
Wenn Du in einer schneereichen Region lebst und überlegst, ob es sich lohnt, Dein aktuelles Fahrzeug zu behalten oder besser dein Auto verkaufen solltest, um auf ein allradgetriebenes Modell umzusteigen, sind spezialisierte Winterreifen die einzig sichere Wahl.

Vorteile vs. Nachteile: Die ungeschönte Wahrheit über Allwetterreifen
Die Abwägung ist ein klassischer Fall von Komfort gegen Performance. Um Dir die Entscheidung zu erleichtern, stellen wir die Argumente direkt gegenüber.
Die unbestreitbaren Vorteile: Komfort und Kostenersparnis
Der Hauptgrund für den Kauf von Ganzjahresreifen ist die Bequemlichkeit. Du umgehst damit eine Reihe von wiederkehrenden Ärgernissen:
- Kein saisonaler Wechsel: Der wohl größte Pluspunkt. Du sparst Dir zweimal im Jahr den Weg zur Werkstatt oder die eigene Arbeit. Kein Warten auf Termine in der Hochsaison (Oktober/November und Ostern).
- Geringere laufende Kosten: Du sparst die Gebühren für den Radwechsel (typischerweise 30-60 Euro pro Wechsel) und die professionelle Einlagerung (ca. 40-80 Euro pro Saison). Über die Jahre summiert sich das.
- Keine Lagerprobleme: Du benötigst keinen Platz in der Garage oder im Keller, um den zweiten Reifensatz fachgerecht zu lagern. Eine unsachgemäße Lagerung kann Reifen beschädigen.
- Geringere Anschaffungskosten: Du musst nur einen Satz Reifen und Felgen kaufen, nicht zwei.
Die Nachteile: Kompromisse bei Sicherheit und Lebensdauer
Die Bequemlichkeit hat ihren Preis, der sich vor allem in drei Bereichen zeigt:
- Höherer Verschleiß: Da der Reifen das ganze Jahr über im Einsatz ist und seine Gummimischung im Sommer weicher ist als die eines Sommerreifens, nutzt er sich tendenziell schneller ab. Während ein Satz Sommer- und Winterreifen zusammen auf eine Laufleistung von 80.000 km kommen kann (jeweils 40.000 km), erreichen Ganzjahresreifen oft nur 35.000 bis im besten Fall rund 68.000 km bei Premium-Modellen. Der schnellere Verschleiß ist ein Faktor, der den Wertverlust beim Auto zwar nur geringfügig, aber doch messbar beeinflussen kann.
- Höherer Kraftstoffverbrauch: Besonders im Sommer kann der Rollwiderstand von Allwetterreifen höher sein als bei optimierten Sommerreifen. Das führt zu einem leicht erhöhten Spritverbrauch.
- Lauteres Fahrgeräusch: Das komplexere Profil mit Lamellen kann zu lauteren Abrollgeräuschen führen als bei einem glatteren Sommerreifenprofil.
- Sicherheitskompromisse bei Extremwetter: Dies ist der wichtigste Punkt. Bei starker Sommerhitze oder auf schneebedeckter Fahrbahn können Ganzjahresreifen nicht die Performance von Spezialisten bieten. Dies äußert sich vor allem in längeren Bremswegen und geringerer Seitenführung.
Stehst Du vor einer teuren Reparatur, stellt sich oft die Frage: Auto reparieren oder verkaufen. Ähnlich verhält es sich bei der Reifenwahl: Die anfängliche Ersparnis kann durch höhere laufende Kosten wie schnelleren Verschleiß relativiert werden.
| Kriterium | Allwetterreifen | Saisonreifen (Sommer/Winter) |
| Anschaffungskosten | Geringer (nur 1 Satz Reifen & Felgen) | Höher (2 Sätze Reifen & Felgen) |
| Wechsel- & Lagerkosten | Keine | Regelmäßig (ca. 140-280 Euro/Jahr) |
| Komfort & Aufwand | Sehr hoch (kein Wechsel nötig) | Gering (Termine, Arbeit, Lagerung) |
| Sicherheit (Trockenheit, Sommer) | Gut, aber bei Hitze längere Bremswege | Sehr gut bis exzellent |
| Sicherheit (Nässe) | Gute Modelle sind sehr sicher | Sehr gut bis exzellent |
| Sicherheit (Schnee & Eis) | Ausreichend bis gut, aber schwächer als Spezialisten | Sehr gut bis exzellent |
| Verschleiß & Lebensdauer | Höher (1 Satz für alles) | Geringer (2 Sätze teilen sich die Last) |
| Kraftstoffverbrauch | Im Sommer tendenziell leicht höher | Optimiert für die jeweilige Saison |
| Fahrgeräusch | Tendenziell lauter | Sommerreifen sind oft leiser |
Sicherheit im Fokus: Bremswege, Grip und die Grenzen des Alleskönners
Die Diskussion über die Sicherheit von Ganzjahresreifen dreht sich nicht darum, ob sie grundsätzlich unsicher sind. Moderne Premium-Modelle sind für 95 % aller alltäglichen Fahrsituationen absolut sicher. Die entscheidende Frage ist: Wie verhalten sie sich in den kritischen 5 %, bei einer Notbremsung auf heißem Asphalt oder auf einer unerwartet vereisten Brücke?
Hier geht es um Sicherheitsreserven, und diese sind bei Spezialisten naturgemäß größer.
Der Bremsweg-Check: Meter, die entscheiden
Tests von Automobilclubs wie dem ADAC liefern hierzu alarmierende Daten. Bei einem Test von Ganzjahresreifen wurde der Bremsweg aus 80 km/h auf nasser Fahrbahn gemessen. Das Ergebnis war schockierend: Während das Fahrzeug mit dem besten Reifen (Continental) bereits stand, hatte das Fahrzeug mit dem schlechtesten Reifen (Arivo) an derselben Stelle noch eine Restgeschwindigkeit von 41 km/h. Das ist der Unterschied zwischen einem sicheren Halt und einem schweren Unfall.
- Im Sommer: Auf trockener, heißer Fahrbahn kann sich der Bremsweg aus 100 km/h im Vergleich zu einem guten Sommerreifen um mehrere Meter verlängern. Einige Tests sprechen von bis zu 16 Metern Differenz bei der Nutzung von Winterreifen im Sommer, ein Effekt, der bei Allwetterreifen in abgeschwächter Form ebenfalls auftritt. Der Grund ist die weichere Gummimischung, die bei Hitze stärker nachgibt.
- Im Winter: Auf Schnee und Eis ist der Bremsweg zwar kürzer als mit einem Sommerreifen, aber oft länger als mit einem Top-Winterreifen. Die geringere Anzahl an Lamellen führt zu weniger Grip beim Bremsen und Beschleunigen.
Grip in Kurven und bei Aquaplaning
Neben dem reinen Bremsen ist auch das Verhalten in Kurven und bei Nässe entscheidend.
- Kurvenstabilität: Besonders im Sommer kann das Lenkgefühl mit Ganzjahresreifen etwas indirekter oder „schwammiger“ wirken, da die Profilblöcke weniger steif sind als bei einem Sommerreifen.
- Aquaplaning: Die Fähigkeit, Wasser zu verdrängen, ist bei guten Allwetterreifen oft auf hohem Niveau. Allerdings zeigen Tests auch hier Unterschiede, und einige Modelle schwimmen früher auf als spezialisierte Sommer- oder Regenreifen.
Die Quintessenz ist: Ein guter Ganzjahresreifen wird Dich im Alltag nicht im Stich lassen. Aber in der Extremsituation, in der Du jeden Zentimeter Bremsweg und maximalen Grip benötigst, bietet ein Spezialist die größeren Sicherheitsreserven.
Die besten Allwetterreifen im Test: Aktuelle Testsieger von ADAC & Co.
Die Qualität von Ganzjahresreifen hat sich in den letzten Jahren enorm verbessert, aber die Leistungsunterschiede zwischen den Herstellern sind gewaltig. Unabhängige Tests von Fachmagazinen wie AutoBild und Automobilclubs wie dem ADAC sind daher unerlässlich für eine Kaufentscheidung. Die Tests aus dem Jahr 2025 zeigen ein klares Bild: An der Spitze stehen die Premium-Hersteller.
Hier sind die Modelle, die in den gängigen Reifengrößen wie 225/45 R17 oder 225/40 R18 regelmäßig überzeugen:
- Continental AllSeasonContact 2: Gilt als der absolute Allrounder. In den Tests wird er oft für seine extrem ausgewogenen Eigenschaften gelobt. Er leistet sich auf keiner Fahrbahn, ob trocken, nass oder verschneit, eine echte Schwäche. Im ADAC-Test 2025 war er der einzige Reifen, der sowohl bei der Fahrsicherheit als auch bei der Umweltbilanz die Note „gut“ erhielt.
- Goodyear Vector 4Seasons Gen-3: Ein weiterer Top-Performer, dessen besondere Stärke oft auf nasser Fahrbahn liegt. Sein größter Trumpf ist jedoch die herausragende Umweltbilanz, die sich aus einer prognostizierten Laufleistung von rund 68.000 Kilometern und einem sehr geringen Abrieb zusammensetzt. Das macht ihn zum Dauerläufer unter den Alleskönnern.
- Pirelli Cinturato All Season SF3: Dieser Reifen positioniert sich als der Sportler im Feld. Er erzielt regelmäßig die Bestnoten auf trockener Fahrbahn und überzeugt mit präzisem, direktem Lenkverhalten. Wer in einer Region mit milden Wintern lebt und Wert auf Fahrdynamik im Sommer legt, findet hier eine exzellente Wahl.
- Bridgestone Turanza All Season 6: Oft als der Komfort-Champion mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis beschrieben. Er überzeugt durch ein ruhiges, ausgewogenes Fahrverhalten und gute Leistungen bei Nässe. Ein solider Allrounder für den Alltagsfahrer.
- Michelin CrossClimate 2: Ein Pionier im Segment der Ganzjahresreifen, der besonders für seine starken Wintereigenschaften bekannt ist. Er bietet exzellenten Grip auf Schnee, muss dafür aber manchmal leichte Kompromisse bei Nässe eingehen. Seine hohe Langlebigkeit ist ebenfalls ein Markenzeichen.
Auch Marken wie Hankook mit dem Kinergy 4S2, Vredestein mit dem Quatrac oder Falken mit dem EuroAll Season AS210 landen regelmäßig im guten Mittelfeld und können je nach Preis und individuellem Anforderungsprofil eine gute Alternative sein. Um das Beste aus diesen Testsiegern herauszuholen und ihren Wert zu erhalten, ist eine regelmäßige Pflege entscheidend. Lerne, wie du dein Auto selbst aufbereiten kannst, um nicht nur den Lack, sondern auch die Reifen und Felgen in Top-Zustand zu halten.
| Modell | Quelle/Testnote (Beispiel) | Stärken | Schwächen | Ideal für… |
| Continental AllSeasonContact 2 | ADAC 2025: 2,3 (gut) | Extrem ausgewogen, sicher bei Trockenheit, Nässe und Schnee, gute Umweltbilanz | Keine signifikanten Schwächen | Fahrer, die den besten Allround-Kompromiss ohne Schwachpunkte suchen. |
| Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 | ADAC 2025: 2,3 (gut) | Exzellente Nässeeigenschaften, sehr hohe Laufleistung, sehr geringer Verschleiß | Leichte Schwächen auf trockener Fahrbahn (Präzision) | Vielfahrer (im Rahmen des Profils) und Fahrer, die Wert auf Langlebigkeit und Wirtschaftlichkeit legen. |
| Pirelli Cinturato All Season SF3 | ADAC 2025: 2,5 (gut) | Bester Reifen auf trockener Fahrbahn, sportliches und präzises Handling | Leichte Schwächen auf Schnee im Vergleich zu den Besten | Fahrer in Regionen mit milden Wintern, die ein dynamisches Fahrgefühl im Sommer schätzen. |
| Bridgestone Turanza All Season 6 | ADAC 2025: 2,5 (gut) | Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, hoher Fahrkomfort, sicher bei Nässe | Leichte Schwächen bei der Lenkpräzision auf trockener und winterlicher Fahrbahn | Preisbewusste Alltagsfahrer, die einen komfortablen und sicheren Reifen suchen. |
| Michelin CrossClimate 2 | AutoBild 2024: 1,4 (vorbildlich) | Exzellente Schneeeigenschaften, hohe Laufleistung, gute Trocken-Performance | Leichte Schwächen im Nasshandling im Vergleich zur Spitze | Fahrer in Regionen mit gelegentlichem, aber ernstzunehmendem Schneefall. |

Rechtlich auf der sicheren Seite: Das Alpine-Symbol und die Winterreifenpflicht
Dieser Punkt ist nicht verhandelbar und von entscheidender Bedeutung für Deine Sicherheit und Deinen Geldbeutel. Die gesetzlichen Vorschriften für die Bereifung bei winterlichen Bedingungen wurden in Deutschland in den letzten Jahren verschärft.
Die situative Winterreifenpflicht
In Deutschland gibt es keine allgemeine Winterreifenpflicht von „O bis O“ (Oktober bis Ostern). Stattdessen gilt eine situative Winterreifenpflicht (§ 2 Abs. 3a StVO). Das bedeutet: Sobald winterliche Straßenverhältnisse herrschen, also Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte, darfst Du nur mit dafür zugelassenen Reifen fahren.
Das Alpine-Symbol ist jetzt Pflicht!
Das entscheidende Kriterium, was ein „zugelassener Reifen“ ist, hat sich geändert.
- Das Alpine-Symbol (3PMSF: Three-Peak Mountain Snowflake), eine Schneeflocke in einem stilisierten Berg, ist das einzig gültige Kennzeichen für wintertaugliche Reifen. Es zertifiziert, dass der Reifen einen standardisierten Test auf Schnee bestanden hat und Mindestanforderungen an die Traktion erfüllt.
- Die alte M+S-Kennzeichnung (Matsch und Schnee) ist nicht mehr ausreichend! Die Übergangsfrist für Reifen, die nur dieses Symbol tragen und vor dem 1. Januar 2018 produziert wurden, ist am 30. September 2024 abgelaufen. Seit dem 1. Oktober 2024 sind diese Reifen bei winterlichen Bedingungen verboten.
Das bedeutet für Dich: Wenn Du Ganzjahresreifen kaufst oder bereits fährst, müssen diese zwingend das Alpine-Symbol auf der Reifenflanke tragen, um der Winterreifenpflicht zu genügen.
Die Konsequenzen bei falscher Bereifung
Wer bei winterlichen Verhältnissen mit unzulässigen Reifen (z.B. nur M+S-Kennzeichnung) erwischt wird, muss mit empfindlichen Strafen rechnen:
- Bußgelder: Mindestens 60 Euro für den Fahrer und 1 Punkt in Flensburg. Bei Behinderung anderer steigt das Bußgeld auf 80 Euro, bei Gefährdung auf 100 Euro. Auch der Fahrzeughalter kann mit 75 Euro und 1 Punkt belangt werden.
- Versicherungsschutz in Gefahr: Verursachst Du mit ungeeigneten Reifen einen Unfall, kann Deine Kaskoversicherung die Leistung kürzen. Noch gravierender: Die Haftpflichtversicherung kann Dich nach der Regulierung des Schadens in Regress nehmen, also einen Teil der Kosten von Dir zurückfordern.
Die empfohlene Profiltiefe
Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Mindestprofiltiefe von 1,6 mm. Experten sind sich jedoch einig, dass dies für winterliche Bedingungen viel zu wenig ist. Empfohlen werden mindestens 4 mm Restprofil, da darunter die Wintereigenschaften (insbesondere die Haftung auf Schnee) rapide abnehmen.
Diese gesetzliche Änderung beeinflusst nicht nur die Reifenauswahl, sondern hat auch Auswirkungen auf die Gebrauchtwagen Preisentwicklung, da Fahrzeuge mit veralteter Bereifung im Wert sinken oder vor dem Verkauf umgerüstet werden müssen.
Kosten, Marken & Co.: Was Du beim Kauf von Ganzjahresreifen beachten musst
Nachdem die technischen, sicherheitsrelevanten und rechtlichen Aspekte geklärt sind, geht es an die praktische Kaufentscheidung.
Was kosten gute Allwetterreifen?
Die Preise variieren stark je nach Marke, Größe und Händler. Als grobe Orientierung kannst Du mit folgenden Kosten pro Reifen rechnen:
- Für gängige Größen der Kompaktklasse, wie Ganzjahresreifen 205 55 r16 (z.B. für einen VW Golf 7) oder 195 65 r15, liegen die Preise für Premium-Modelle von Continental, Michelin oder Goodyear typischerweise zwischen 80 und 120 Euro.
- Für größere Dimensionen, wie 225 45 r17 (z.B. für einen Audi A3) oder 225 50 r17, musst Du mit Preisen zwischen 100 und 150 Euro pro Reifen rechnen.
- Kleinere Größen wie 185 65 r15 oder 175 65 r14 sind entsprechend günstiger zu haben.
Tipp: Denke über den reinen Kaufpreis hinaus. Ein teurerer Reifen mit geringerem Verschleiß und niedrigerem Rollwiderstand kann über seine Lebensdauer gerechnet günstiger sein als ein Billigreifen. Der entscheidende Wert ist nicht der Preis pro Reifen, sondern die Kosten pro Kilometer.
Reifen oder Kompletträder?
Du hast die Wahl, nur die Reifen zu kaufen und sie auf Deine vorhandenen Felgen montieren zu lassen, oder Kompletträder mit Allwetterreifen (Reifen plus Felge) zu erwerben.
- Nur Reifen kaufen: Günstiger in der Anschaffung, wenn Du bereits passende Felgen besitzt. Bedenke die zusätzlichen Kosten für Montage und Auswuchten (ca. 15-25 Euro pro Rad).
- Kompletträder kaufen: Höhere Anfangsinvestition, aber Du hast einen zweiten Satz Felgen. Das macht es einfacher, falls Du Dich später doch wieder für einen saisonalen Wechsel entscheidest. Besonders bei Alufelgen für den Winter ist dies eine beliebte Option.
Wo Allwetterreifen günstig kaufen?
Vergleiche die Preise bei Online-Händlern und lokalen Werkstätten. Online-Angebote sind oft günstiger, aber vergiss nicht, die Kosten für die Lieferung und die Montage bei einem Partnerbetrieb in Deiner Nähe einzukalkulieren. Manchmal bietet die Werkstatt vor Ort ein Paket an, das im Endeffekt preiswerter ist.
Fazit: Deine persönliche Checkliste für die richtige Reifenwahl
Die Entscheidung für oder gegen Ganzjahresreifen ist individuell. Es gibt keine pauschal richtige oder falsche Antwort. Moderne Premium-Allwetterreifen sind eine technologisch ausgereifte und sichere Lösung, aber nur für das passende Anforderungsprofil. Für alle anderen bleibt der klassische Wechsel zwischen Sommer- und Winterreifen die überlegene Wahl in puncto Sicherheit und Performance.
Nutze diese abschließende Checkliste, um Deine persönliche Entscheidung zu treffen:
- Dein Fahrprofil: Fahre ich unter 10.000 km/Jahr und hauptsächlich in der Stadt oder im Flachland?
- Ja: Allwetterreifen sind eine sehr gute Option für Dich.
- Nein: Saisonreifen sind wahrscheinlich die bessere und wirtschaftlichere Wahl.
- Dein Sicherheitsanspruch: Bin ich bereit, bei extremem Wetter (Starkregen, Hitze, viel Schnee) einen kleinen Kompromiss bei den maximalen Sicherheitsreserven einzugehen?
- Ja: Ein Premium-Allwetterreifen wird Deinen Ansprüchen genügen.
- Nein: Wähle kompromisslose Sicherheit mit spezialisierten Saisonreifen.
- Dein Fahrzeug: Fahre ich ein leistungsstarkes oder sportlich ausgelegtes Auto, das von der Performance von Spezialreifen profitiert?
- Ja: Gönne Deinem Auto die Reifen, die sein Potenzial voll ausschöpfen: Saisonreifen.
- Nein: Ein Allwetterreifen passt gut zu einem Alltagsfahrzeug.
- Die rechtliche Lage: Haben die Reifen, die ich in Betracht ziehe, das obligatorische Alpine-Symbol?
- Ja: Du bist rechtlich auf der sicheren Seite.
- Nein: Finger weg! Diese Reifen sind bei Winterwetter nicht mehr zugelassen.
- Das Budget: Bin ich bereit, in einen Premium-Ganzjahresreifen eines namhaften Herstellers (z.B. Continental, Goodyear, Pirelli, Michelin) zu investieren?
- Ja: Du erhältst ein Produkt mit ausgewogenen und sicheren Fahreigenschaften.
- Nein: Sparen am Reifen ist Sparen an der Sicherheit. Wenn das Budget knapp ist, sind gute Saisonreifen oft die sicherere Alternative zu einem billigen Ganzjahresreifen.